Grußworte

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

In vielen Stadtteilen unserer Stadt gehört Sport zum Lebensalltag der Essenerinnen und Essener. Sport hält fit und trägt erheblich zur Entwicklung der Persönlichkeit bei. Kinder in Bewegung zu bringen und gleichzeitig das Miteinander im Stadtteil zu stärken, das ist das Ziel vom Open Sunday.

Gemeinsam mit dem Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen sowie in Kooperation mit dem Essener Sportbund (ESPO) und der Stadt Essen wurde die Idee entwickelt, die Sporthallen in ausgewählten Essener Stadtteilen an Wochenenden für Kinder und Jugendliche zu öffnen. Seit einem Jahr wird das Projekt Open Sunday erfolgreich umgesetzt.

Mehr als 700 Kinder haben die Sporthallen in Altenessen, im Nordviertel und in Altendorf im vergangenen Winter zum Spielen und Trainieren genutzt – eine beeindruckende Bilanz. An der Hövelschule in Altenessen wird das Projekt mit Unterstützung des Institutes für Stadtteilentwicklung, Sozialraumorientierte Arbeit und Beratung (ISSAB) der Universität Duisburg-Essen und der Anneliese Brost-Stiftung in diesem Jahr auch über die Sommermonate fortgeführt.

Von Koordinations- und Ballspielen bis hin zum Üben von Geschicklichkeit an einzelnen Stationen lernen Erst- bis Sechtklässler, wie wichtig Sport für das Meistern des Alltags ist. Die jugendlichen Betreuer dagegen lernen, wie wichtig Verantwortung und Fair Play sind.

Sport verbindet und schließt Freundschaften. Tagtäglich setzen unsere Sportvereine durch den unermüdlichen Einsatz vieler freiwilliger Helferinnen und Helfer, der Trainerinnen und Trainer sowie der Vereinsvorstände sicht- und erlebbare Zeichen für ein friedliches Miteinander und wenden sich gegen Rassismus und Diskriminierung. Darauf können wir in Essen sehr stolz sein!

Ich wünsche diesem Projekt weiterhin viel Erfolg.

Allen Beteiligten, die an der Umsetzung Open Sunday mitgewirkt haben, sei an dieser Stelle sehr herzlich gedankt.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr

Thomas Kufen

Oberbürgermeister Stadt Essen, (Foto: Ralf Schultheiss)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Sportfreundinnen, liebe Sportfreunde,

das Projekt Open Sunday überzeugt durch seine Einfachheit. Die Sporthalle an der Grundschule wird an Sonntagen geöffnet und lädt die Kinder aus dem Stadtteil zum Bewegen und Spielen ein. Vor allem Schülerinnen und Schüler, die bisher nicht Mitglied des organisierten Sports sind, kommen und nehmen teil. Die vielfältigen Bewegungsangebote fordern sie heraus.
Mit dem Konzept Open Sunday reagieren wir auf die Veränderung in der Gesellschaft, in den Familien, den Ausbau der Ganztagsschule und das veränderte Freizeitverhalten der Kinder und Jugendlichen. Statt Playstation, PC- oder TV-Konsum stehen Balancieren, Werfen, Jonglieren, Spielen, Springen oder Tanzen auf dem Programm. Es freut uns sehr, dass vor allem viele Mädchen, mit und ohne Migrationshintergrund, dieses Angebot aufsuchen und gerne an den kommenden Wochenenden wiederkommen.
Es ist verständlich, dass andere Kommunen schon jetzt diese Essener Idee aufgreifen und umsetzen. Gemeinsam mit der Anneliese-Brost-Stiftung und der Stadt Essen werden wir diese Initiative der Universität Duisburg-Essen weiter unterstützen und für eine Ausweitung in unserer Stadt werben.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Dr. Bernhard Görgens

Vorsitzender des Essener Sportbundes (ESPO)

Interviews

Interviewauszug mit Yeldakur Okuyucu, Lehrerin an der Grundschule Nordviertel Essen

 

Sie waren selbst an vielen Sonntagen vor Ort, was hat Sie besonders begeistert?

Besonders begeistert haben mich mehrere Punkte, unter anderem die verschiedenen Sportaktivitäten, die seitens der Studiereden aufgebaut wurden. Diese waren vielfältig, dafür benötigt man unglaublich viel Zeit und viele Coaches, dies schaffen wir in der Schule im Sportunterricht nicht. Der zweite Aspekt, der mich berührt hat, war, dass so viele Kinder gekommen sind und das Angebot positiv aufgenommen haben. Es ist unglaublich, dass die Kinder so motiviert an einem Sonntag zur Schule gekommen sind.

Wurden auch Kinder mit großen Sprachbarrieren erreicht?

Wirklich sehr viele SeiteneinsteigerInnen wurden erreicht. Die Kinder lernen voneinander und sind aktiver als im alltäglichen Unterricht, weil sie sich durch Bewegung ausdrücken können.

Was erzählen die Kinder?

Die Kinder haben oft von den verschiedenen Aktionen, die sie am Sonntag gemacht haben erzählt und haben auch oft ihre Geschwister und Freunde mitgebracht. Außerdem haben die Kinder in meinem Sportunterricht gefragt, ob sie nicht einige der Stationen im Unterricht aufbauen können, wie beispielsweise das kleine Fußballfeld, den Bewegungsparcours oder die Rollbretter.

Was haben die Eltern Ihnen zurückgemeldet?

Die Eltern sind froh, dass die Kinder an den Sonntagen nicht im Haus sitzen und sich stattdessen bewegen können. Ich finde es sehr bemerkenswert, dass die Eltern den Coaches vertrauen und ihre Kinder an einem freien Bewegungsangebot teilnehmen können.

Yeldakur Okuyucu

Lehrerin an der Grundschule Nordviertel Essen

Interviewauszug mit Werner Meys, Vorstand der Anneliese-Brost-Stiftung

 

Warum fördert die Anneliese-Brost-Stiftung Projekte wie den Open Sunday?

Wir fördern vorrangig Projekte mit nachhaltiger Wirkung und langfristigem Ansatz für benachteiligte Kinder und Jugendliche, die Modellcharakter haben.

Was finden Sie am Open Sunday attraktiv?

Den doch „einfachen“ Ansatz der Nutzung von Raumkapazitäten am Wochenende verbunden mit der Qualifizierung von Jugendlichen.

Sie selbst besuchten dreimal die Open Sundays in der Hövelschule und der Grundschule Nordviertel! Was blieb Ihnen in Erinnerung?

Das hohe Engagement der Studentinnen und Studenten und die Vielfalt der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler.

Was erhoffen Sie sich von der Zukunft des Projekts?

Die Stiftung hat erst einmal eine Finanzierung für zwei Jahre zugesagt, nach Vorlage eines umfassenden Erfahrungsberichtes können wir uns auch eine Förderung für ein drittes Jahr vorstellen. Was danach kommt müssen wir gemeinsam mit der Stadt Essen erörtern. Schon jetzt ist aber erkennbar, dass das Projekt nachhaltige Wirkung zeigt und hoffentlich Nachahmer auch außerhalb der Stadt Essen findet.

Werner Meys

Vorstand der Anneliese-Brost-Stiftung

Interviewauszug mit Elitsa Todorova, Sporthelferin des Gymnasium Essen Nord-Ost

 

Wie kam es dazu, dass du beim Open Sunday mitwirkst?

Anderen Sporthelfern und mir wurde vom Planungsteam des Open Sundays angeboten bei diesem Projekt mitzumachen. Wir haben dieses Angebot wahrgenommen und seitdem sind wir dabei.

Wie findest du das Projekt?

Heutzutage sitzen viele Kinder zu Hause vor dem Computer. Durch dieses Projekt kommen die Kinder an die frische Luft und können zusammen Sport treiben. Von daher finde ich dieses Projekt sehr gut.

Was hast du durch deine Einsätze als Coach gelernt?

Ich kann nun viel besser mit Kindern umgehen und im Team zusammenarbeiten.

Möchtest du auch in Zukunft weiterhin für das Projekt sonntags einsetzen?

Ja, das würde ich gerne machen. Mir gefällt es mit Kindern zu arbeiten. Außerdem treibe ich dadurch dann auch Sport.

Elitsa Todorova

Sporthelferin des Gymnasium Essen Nord-Ost

Interviewauszug mit Sophie van de Sand, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen

 

Was für Erinnerungen haben Sie an die ersten Aufbauarbeiten des Projekts?

Die Idee kam aus Oldenburg. Dort wurde das Projekt bereits erfolgreich durchgeführt.

Daraufhin haben wir überlegt den Open Sunday auch in Essen zu realisieren. Dabei kam die Frage auf, wie man es finanzieren könnte. Als wir die Anneliese-Brost-Stiftung gefunden haben und die Finanzierung zugesagt wurde, konnten wir das Projekt durch die Mitarbeit einiger Studierender sehr schnell umsetzen.

Sind Sie mit dem momentanen Stand des Projekts zufrieden?

Ja, wir sind sehr zufrieden. Es ist toll, dass wir es jetzt auch im Sommer als Summer Open Sunday umsetzen können und dass an allen drei Schulen immer wieder so viele Kinder gekommen sind. Wir arbeiten nun daran, das Projekt weiterzuführen und auszubauen.

Was bedeutet ein solches Projekt besonders für eine Ruhrgebietsstadt wie die Stadt Essen?

Ein Projekt dieser Art hat eine hohe Bedeutung in Essen, besonders in Bezug auf den Essener Norden. In diesen sozial benachteiligten Stadtteilen sind wenige Kinder im Sportverein, viele haben einen Migrationshintergrund, die Nord-Süd-Trennung der Stadt ist sehr extrem. Der Open Sunday erreicht viele Kinder, die genau solche Angebote brauchen.

Durch Ihr Referendariat kannten Sie die Hövelschule bereits. Hätten Sie mit einer so hohen Resonanz gerechnet?

Nein, dass so viele Kinder kommen, hätte ich nicht gedacht, da viele Eltern ihre Kinder bei solchen Projekten immer weniger unterstützen oder auch, weil die Kinder sonntags an Religionsveranstaltungen teilnehmen. Viele Kinder sind selbstorganisiert zum Open Sunday gekommen, mit der Telefonnummer ihrer Eltern in der Hand und den Sportsachen dabei. Damit habe ich nicht gerechnet.

Was ist für die Zukunft geplant?

Erst einmal steht die Veranstaltung des Summer Open Sundays im Vordergrund, anschließend die weitere Handhabung des Open Sundays im Winter. Wir werden voraussichtlich nicht jeden Sonntag an jeder der drei Grundschulen einen Open Sunday veranstalten können, jedoch auf jeden Fall öfter als an zwei oder drei Terminen pro Jahr.

Sophie van de Sand

Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen